Video zu den Ergebnissen des Weltklimarats

Video des Weltklimarats zu den Ergebnissen des 3. Teils des letzten Sachstandsberichts:

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Petition zum Zwei-Grad-Ziel

Aktuell gibt es eine von namhaften Wissenschaftlen und anderen Mitglieden des UN-Netzwerks SDSN initiierte Petition, die die internationale Politik zur Umsetzung des Zwei-Grad-Klimaschutz-Ziels aufruft. Die Petition soll auf dem UN Klimagipfel 2014 in New York präsentiert werden. Wer möchte kann sich auf http://unsdsn.org/climate-letter/ beteiligen.

Nachhaltiger telefonieren

Aus ökologischen Gesichtspunkten ist es sicherlich am sinnvollsten, sein altes Handy/Smartphone so lange wie möglich zu benutzen. Wer unbedingt ein neues Handy braucht, kann beispielsweise Initiativen wie das „Fairphone“ unterstützen – eines der wenigen etwas „fairer“ hergestellten Smartphones, das nach einer Crowdfunding-Aktion Anfang 2014 auf den Markt kam. Hier ein informativer Artikel zum Thema.

Years of living dangerously …

Vor ein paar Tagen wurde ich auf die amerikanische Fernseh-Dokumentarfilm-Reihe „Years of Living Dangerously“ aufmerksam gemacht, die sich in neun Folgen  mit dem Klimawandel befasst. Vorab gesagt: Sehenswert – und psychologisch sehr interessant gemacht. Zunächst fällt die Ansammlung an Kinogrößen auf, die hier mitwirken – welche gewöhnlich eine nicht unerhebliche Vorbild-Wirkung haben. Mit von der Partie sind unter anderem Arnold Schwarzenegger, Harrison Ford, Matt Damon usw. Zudem spielt unter anderem Don Cheadle mit – der Hauptdarsteller von „Hotel Ruanda“, einem Lieblingsfilm von mir.  Da ich als Kinofan schon lange denke, dass man doch die beeindruckende Hollywood-Filmtechnik auch mal für wirklich „sinnvolle“ Dinge einsetzen könnte, war ich begeistert, dass offenbar die „richtigen Leute“ (mit Erfahrung, Geld, und entsprechenden Möglichkeiten) auch auf diese Idee kamen. Meine Recherchen ergaben unter anderem, dass James Cameron (u.a. als Regisseur von Avatar, Alien II und Terminator bekannt), hier einer der ausführenden Produzenten, sich schon seit einigen Jahren dem Kampf gegen den Klimawandel verschrieben hat und sich inzwischen vegan ernährt. Und Arnold Schwarzenegger ist ja, neben seiner Schauspielerkarriere, u.a. durch sein Klimaschutzgesetz in Kalifornien bekannt geworden (dessen Erhaltung Cameron mit einer Million Dollar unterstützt hat).

Der erste Teil, der im Internet frei verfügbar ist, setzt unter anderem auch auf subtil humorvolle Anachronismen und beginnt damit, dass Harrison Ford in einen Kampfjet à la Top Gun steigt – um Treibhausgase in der Atmosphäre zu messen. Später reist er (man kommt nicht umhin, an Indiana Jones denken …) in den Regenwald, um über die großflächige Abholzung desselben, u.a. für den Palmölanbau, zu recherchieren. Die Stars sind in der Serie als „Korrespondenten“ unterwegs, um die aktuell stattfindenden Folgen des Klimawandels zu erforschen – und sich zu empören. Was angesichts der großartigen Bilder (etwa von trostlos abgeholzten Wäldern) deutlich leichter fällt als bei abstrakten Zahlen.

Dabei setzen die Macher – psychologisch klug gemacht – nicht (primär) auf Ängstigung, sondern sachliche Aufklärung und Verständigung. In der ersten Folge ist aus meiner Sicht der eigentliche Held (wie so oft bei Camerons Filmen) eine Frau. Eine Klimawissenschaftlerin, die es sich u.a. zur Aufgabe gemacht hat, engagiert die Kluft zwischen Religion und Wissenschaft zu überbrücken. Und versucht (selbst Christin, mit einem Republikaner als Mann), Bauern und einfachen Arbeitern in Texas, die die Dürre für eine Strafe Gottes halten, zu einem tieferen Verständnis der Zusammenhänge zu verhelfen.

Nicht zuletzt erfährt man, dass es vor Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien eine vierjährige Dürre gab, die möglicherweise das ihre zu den Unruhen beigetragen hat – recherchiert wird hier vom dreifachen Pulizerpreisträger und Korrespondent der New York Times, Thomas L. Friedman. Somit wird in dem Film vorwiegend nicht über irgendwelche Szenarien in der fernen Zukunft spekuliert, sondern auf das hingewiesen, was im Hier und Jetzt bereits passiert. Was – dank guter Filmtechnik und psychologischem Know-how – seine emotionale Wirkung nicht verfehlt. Der Film regte meine Vorstellungskraft an und mir wurde im Verlauf zunehmend beklommen zumute – obwohl mir das Wesentliche ja schon bekannt war. Gleichzeitig stieg die Empörung – und auch die Freude, dass der „Kampf“ vielleicht doch noch nicht verloren ist: wenn offenbar ein paar Menschen, die entsprechenden Einfluss haben, mit eingestiegen sind und ihre Talente auf konstruktive Weise einbringen. Hoffnung kann inspirierend sein. Ich zumindest bekam richtig Lust, gemeinsam mit Harrison Ford & Co die Welt zu retten …

Wer sich auch inspirieren lassen möchte – hier der erste Teil:

 

Why do we not act to save our world?

Angeregt durch diesen Beitrag von Alice kamen mir verschiedene Gedanken …

B. F. Skinner – Psychologe und Begründer der “klassischen” Verhaltenstherapie – beschäftigte sich in seinen “späten” Jahren auch mit dem Thema Ökologie und fragte Anfang der 1980er Jahre: „Why do we not act to save our world?“ Es geht also darum, zu „retten“, zu helfen, letztlich also um Altruismus, also z.B. die Frage: „Bin ich bereit, zum Wohl anderer persönliche Kosten in Kauf zu nehmen?“ Nach Skinner ist das menschliche Verhalten durch seine Konsequenzen „gesteuert“. Ist ein Verhalten „erfolgreich“, d.h. hat es positive Konsequenzen, wird es wieder ausgeführt (und andersrum). Welche Verhaltensweisen sich in der Evolution durchsetzten, hing demnach von Umweltbedingungen ab.  In ihrer Geschichte hatte die Menschheit jedoch bisher nicht mit globalen Problemen wie Überbevölkerung, Umweltverschmutzung usw. zu tun. Die aktuellen globalen Veränderungen gehen möglicherweise zu schnell, so dass es die Menschheit möglicherweise nicht schafft, ihr Verhalten – im Sinne der „natürlichen Selektion“ – daran anzupassen. Die Verhaltenstherorie würde nach Skinner zwar im Prinzip die „Technologie“ liefern, die Probleme der Welt zu lösen. Die Frage sei vielmehr, ob die Menschen dieses Instrument nutzen würden. Es sei unrealistisch, 4 ½ [inzwischen über 7 …] Milliarden Menschen dazu zu bringen, in kurzer Zeit ihr Verhalten zu ändern. Dies bedürfe „mächtiger Personen“, aber diese seien mit anderem beschäftigt (der Papst mit der Rettung der Seelen, Politiker mit ihrer Wiederwahl und Wirtschaftsriesen mit dem Profit). Eine eher vage Hoffnung sieht er in der Erziehung junger Menschen, da auch Altruismus durch Erziehung und Umwelt bedingt sei.

Ein aus meiner Sicht interessantes Modell altruistischen Verhaltens in Bezug auf die globale Erwärmung beschrieben 2009 Frantz & Mayer (in Abwandlung des Modells von Latane & Darley aus dem Jahr 1970 zum Bystander-Effekt, vgl. dazu auch diesen Spiegel-Artikel).

Um zu helfen, muss man demnach

  1. das Ereignis erstmal wahrnehmen (es gibt die globale Erwärmung),
  2. das Ereignis als „Notfall“ einstufen (globale Erwärmung = Bedrohung),
  3. sich persönlich verantwortlich fühlen, zu Handeln (z.B. weil man sich mit der Natur verbunden fühlt),
  4. wissen, was zu tun ist (z.B. öffentliche Verkehrsmittel statt eigenes Auto nutzen; insgesamt schätzen die Autoren hier gemeinschaftlich-politisches Handeln als wichtiger ein als individuelles Handeln),
  5. und dann die erforderlichen Handlungen durchführen (Hinderungsgründe können z.B. struktureller Art sein, z.B. wenn man aufgrund seines abgelegenen Wohnorts auf ein Auto angewiesen ist; hilfreich sind dagegen „umweltfreundliche“ soziale Normen oder häufige „Erinnerungshilfen“ an umweltfreundliches Verhalten).

Ein wichtiger übergreifender Punkt sei zudem das Kosten-Nutzen-Verhältnis. Wenn verantwortliches Verhalten (nachhaltiger Lebensstil) mit zu großen (persönlichen) Verlusten assoziiert wird, wird es vmtl. eher nicht ausgeführt (womit wir wieder bei Skinner sind …).

Somit – was wir im Grunde schon wussten: Das Problem ist sehr vielschichtig.

Ich persönlich finde ja vor allem die sozialpsychologischen Aspekte spannend. Also die Beobachtung, dass einerseits eine Wahrnehmung von Gemeinsamkeit wichtig ist: d.h. das Bewusstsein der Verbundenheit bzw. des gegenseitigen Bedingtseins alles Lebens auf dieser Erde (evolutionär, durch gemeinsamen Lebensraum, die Nahrungskette etc.)  – was Thich Nhat Hanh (über den ich ja an anderer Stelle schon ein wenig geschrieben habe) auch als „Intersein“ bezeichnet. Andererseits – und damit verbunden – die Bedeutung (bzw. die Macht, aber auch Schwierigkeit) gemeinschaftlichen Handelns.

Zur Sozialpsychologie fällt mir in diesem Kontext auch Philip Zimbardo (von dem das Stanford-Prison-Experiment stammt) ein, auf dessen Buch „Der Luzifer-Effekt“ ich vorletzte Woche von unterschiedlicher Seite gleich zweimal hingewiesen wurde … Er konnte u.a. zeigen, dass die Handlungen von Menschen wesentlich durch situative Umstände bedingt sind (z.B. das Verhalten von Vorbildern, die Anwesenheit von Autoritätspersonen, aber auch dem o.g. „Bystander-Effekt“), und im Grunde jeder Mensch zu „bösen Taten“ fähig ist (wie z.B. beim Abu-Ghuraib-Folterskandal). Hier ein spannender Vortrag dazu:

Dies sind vielleicht auf den ersten Blick Extrembeispiele, die wenig mit der globalen Erwärmung zu tun zu haben scheinen.  Dennoch handelt es sich m.E. um Phänomene, die generell zur Beantwortung der Frage herangezogen werden können, warum wir nichts tun (ob es nun um einen Menschen oder um die „Rettung der Welt“ geht). Frantz & Mayer (s.o.) haben ja einen guten Rahmen geliefert. Und vielleicht ist es ja tatsächlich so, dass wir – wie Lord May (der ehemaligen Präsident der Royal Society) in einem Vortrag im Jahr 2012 sagte – vermutlich zur „Rettung der Welt“ auf die Verhaltenswissenschaften angewiesen sind …

Literatur:

 

 

For what it’s worth

Ich hatte, angeregt durch den Vortrag von Stefan Rahmstorf, über den Susanne hier berichtet hat und den auch ich mir nun endlich angesehen habe, eine interessante spätabendliche Diskussion mit einer meiner geschätzten Assistentinnen.

Wir kamen darauf, weil ich, noch etwas mitgenommen von dem Vortrag, traurig auf die Energieverschwendung meines Aquariums hinwies, in dem viele Fische auf engstem Raum gefangen sind und über dem 12 Stunden am Tag zwei Leuchtstoffröhren ihr Licht erstrahlen lassen und in welchem die Heizung Tag und Nacht die Temperatur prüft und im Bedarfsfall erhöht und unter welchem ein großer Filter unermüdlich Wasser pumpt.
Dieses kleine, nachgebaute Ökosystem zieht immerzu Strom und wofür? Um mir als Zierde zu dienen. Um mein Zimmer freundlicher, interessanter und wohnlicher zu gestalten. Und was ist mit dem PC, den ich manchmal den ganzen Tag laufen habe, teilweise stundenlang ohne ihn zu benutzen? Was ist mit dem Licht, das immer brennt, weil meine Wohnung so ein dunkles Loch ist? Die Anlage, die immer auf Standby steht, nur damit sie die Uhrzeit anzeigt? Wohlgemerkt als eine von drei(!) Uhren, die alle direkt nebeneinander stehen.

Das wirklich traurige an der Geschichte sind für mich vor allem folgende Punkte (und ihr Zusammenwirken):
a) Ich weiß schon seit meiner Kindheit, dass das Klima der Erde durch mich und meine Spezies gefährdet ist und ich habe schon lange vor dem Vortrag gewusst, wie ernst die Konsequenzen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit sein werden, wenn sich das Verhalten der Menschen nicht verändert.
b) Ich weiß, dass Stromsparen etwas ist, was ich reel, unmittelbar und ohne übermenschliche Mühe selbst tun kann, um zum Schutz des Klimas beizutragen.
c) Ganz offensichtlich handle ich entgegen meines besseren Wissens und tue ich es trotzdem nicht.

Warum nicht?

Ist es Bequemlichkeit? Aber was ist dann diese schreckliche Bequemlichkeit, wenn sie mich zu einem so widersprüchlichen und meinen eigenen Überzeugungen derart entgegenlaufenden Handeln bringt und, noch viel wichtiger, wie komme ich gegen sie an?

Bequemlichkeit ist vielleicht mit der Erdanziehungskraft vergleichbar, zumindest wenn es diese Art von Trägheit bezeichnet, die jemanden wie mich davon abhält, erstrebenswerte Handlungen umzusetzen. Es ist also, wenn dieser Vergleich weitergedacht wird, eine Art bindende(?), haltende Kraft, der man sich beständig widersetzen muss um irgendetwas zu tun, was eben nicht bequem ist. Und was ist bequem? Wahrscheinlich ist das für jeden Menschen etwas anderes. Auf jeden Fall ist es aber etwas, das Arbeit erspart.

Um sich der Erdanziehungskraft widersetzen zu können, braucht es Motivation und Kraft. Wobei ich sagen würde, Motivation ist wichtiger, denn sie leitet die Kraft in die gewünschte Richtung und gibt ihr ein Ziel. Brauche ich also auch Motivation und Kraft um der Bequemlichkeit zu widerstehen? Und wenn ja, woran mangelt es?

Hier stelle ich einen interessanten Zusammenhang zwischen Erdanziehungskraft und Bequemlichkeit fest: Wäre es nicht eigentlich die ultimative Bequemlichkeit, sich ganz und gar der Erdanziehungskraft hinzugeben? Gar nicht mehr aufzustehen, nicht mehr diesem beständigen Sog zu widerstehen, sondern einfach nachzugeben, „aufzugeben“?
Aber das hört auf bequem zu sein, sobald unsere Bedürfnisse einsetzen. Also sind unsere Bedürfnisse gewissermaßen unsere grundlegende Motivation um sich der Schwerkraft zu widersetzen und somit auch der Gegenspieler der Bequemlichkeit?
Angenommen es ist so. Bedeutet das dann, mir fehlt einfach das Bedürfnis, das Klima nach meinem besten Wissen zu schützen? Und für mein Bedürfnis nach Sicherheit, mein Bedürfnis zu (über)leben und gesund zu sein, ist der Gedanke einfach zu groß und unfassbar, dass die ganze Welt (auch) wegen mir vor die Hunde geht?

Meine Assistentin sagte in unserer kurzen Diskussion, sie sei der Meinung, es sei schon zu spät, um noch irgendetwas zu retten. Sie meinte außerdem, der Einzelne habe sowieso keine Chance etwas zu verändern.

Ich kenne diese Gedankengänge selbst und ich halte sie für äußerst effektive Selbsttäuschung.

Der Einzelne ist schwach – was soll das heißen? Wenn der Einzelne schwach ist, dann ist die Masse auch schwach. Wenn der Einzelne denkt: „Wofür Energie sparen? – Alleine bin ich doch zu schwach um etwas zu bewegen…“, dann spart auch die Masse keine Energie, wie denn auch? Die Masse, die „Vielen“, ist doch nichts anderes als lauter Einzelne und die Handlungen der Masse kann nur die Summe der Handlungen der Einzelnen sein. Wie also kann ich behaupten, dass der Einzelne schwach ist, wenn die Masse nur durch ihn ihre Stärke bekommt?

Wenn ich sage, ich habe keine Chance, dann ist das ziemlich fatal, denn damit gestehe ich nicht nur mir selbst keinen Handlungsspielraum zu, sondern gewissermaßen allen anderen auch nicht. Denn in Wirklichkeit ist es so, dass jeder Einzelne eine Chance haben muss, etwas zu verändern, sonst wäre auch die Masse nicht dazu imstande.

Es ist sowieso schon zu spät – auch das ist eine wirklich beliebte Entschuldigung, warum ich der Bequemlichkeit nachgebe, statt den Versuch zu unternehmen, etwas zu ändern. Natürlich kann das gar nicht sein. Wenn es wirklich schon zu spät wäre, dann würde ich gar nicht mehr vor einer Wahl stehen. Wenn mir ein Sturm das Dach überm Kopf weggerissen hat, dann ist es zu spät, es zu verstärken. Wenn eine Sturmwarnung kommt und ich renne sofort los um endlich mein Dach zu verstärken, dann kann das zu spät sein, muss aber nicht. Vielleicht kann ich auf diese Weise das berühmte Zünglein auf der Waage sein, oder zumindest einen Teil meines Daches retten. Jedenfalls wäre ich verrückt, es nicht wenigstens zu versuchen.

Was ist es, das die Bequemlichkeit in diesem Lebensbereich so mächtig werden lässt, dass ich trotz all meines Wissens und all der ihm innewohnenden Dringlichkeit, nicht einfach so handle, wie ich es für richtig halte? Warum übernehme ich nicht im vollen Maße die Verantwortung für mein Tun? Ich verstehe ja, dass ich nicht für alle anderen mithandeln und mitdenken kann, aber warum tue ich nicht einmal das, was ich ohne großen Aufwand selbst tun kann? For whatever it’s worth?